Ergonomie
im Instrumentenbau
ein
neue Definition von CUSTOM !
Drei Viertel aller Berufsmusiker leiden, wie mehrere Studien beweisen, an berufsbedingten Krankheiten, deren Auswirkungen mitunter zur Berufs-Unfähigkeit führen können. Die Ursachen sind zumeist körperliche, im Lauf der Jahre angewöhnte Fehlhaltungen, Überlastung durch exzessives Üben und eine generelle Missachtung der jeweiligen physischen Konstitution.
Die gängigen
medizinischen Maßnahmen (z.B. Ruhigstellen bei Sehnenscheiden-Entzündungen)
können sich für einen Musiker unter Umständen als existenzgefährdend
erweisen. Doch inzwischen haben sich einige medizinische Einrichtungen diesem
Problem gewidmet und auf "Musiker-Medizin" spezialisiert,
die auf die besonderen Probleme von Musikern ausgerichtet ist.
Eine wichtige Forderung der Musikermedizin lautet: "Der Patient sollte
immer zusammen mit seinem Instrument untersucht werden!" Denn nur
so lassen sich Fehler bei der Spieltechnik und -haltung erkennen und sinnvoll
behandeln. Und in vielen Fällen benötigt nicht so sehr der Musiker
eine Behandlung, als sein Instrument.
Hier ist der Instrumentenbauer gefordert. Denn Prävention geht vor Behandlung! Damit ist klar, dass eine gute, individuelle Beratung unumgänglich ist, um gesundheitliche Probleme, die durch ein ungeeignetes Instrument entstehen können, zu vermeiden.
In
der Zusammenarbeit mit Musikern haben wir uns mit zwei Problem-Schwerpunkten
befasst:
Nervenkompressions-Syndrome (z.B. des Fingernervs
oder des Karpaltunnels...) und Sehnenscheiden-Entzündungen.
Schulter- und Rückenbeschwerden.
Dicke und Breite des Gitarrenhalses sind z.B. ganz wesentliche Faktoren bei der Entstehung bzw. Vermeidung von Nervenkompressions-Problemen. Ein zu dünner Hals, wie in den 80er und 90er Jahren bei einigen Herstellern verwendet, zwingt zu einer eher geschlossenen, unnatürlichen Handhaltung. Relativ dicke, rundliche Hälse, wie sie z.B. in den 50er Jahren in Gebrauch waren, scheinen zunächst für viele Musiker ungewohnt, werden aber nach einer kurzen Gewöhnungs-Phase zumeist als angenehm und entspannend bezeichnet. Und als besonders wohltuend wird eine leichte Asymmetrie des Hals-Querschnittes empfunden.
Auch die Saitenlage spielt in der Ergonomie eine wichtige Rolle. Durch eine flache Saitenlage können der Krafteinsatz und damit die Beanspruchung der Handmuskulatur reduziert werden. Und die Anordnung von Reglern und Schaltern kann ebenfalls optimal den Bedürfnissen des Spielers angepasst werden, um Fehlhaltungen zu vermeiden.
Maßnahmen sind ebenfalls vonnöten bei den lästigen Schulter- oder Rückenschmerzen, unter denen gerade viele Bassisten zu leiden haben, Außer der gängigen Abhilfe in Form eines breiten, gepolsterten Gurtes, der die Auflagefläche vergrößert und das Gewicht besser verteilt, sind jedoch das Gewicht des Instruments und das Ausmaß seiner Kopflastigkeit von entscheidender Bedeutung. Durch die Verwendung ausgesuchter Hölzer, die trotz ihres geringen Gewichts über ausgezeichnete Klang-Eigenschaften verfügen, kann das Gewicht entscheidend reduziert werden. Auch der Einbau leichterer Mechaniken oder eine Verlagerung des Gurtaufhängepunktes können die körperlichen Beschwerden verschwinden lassen oder sie eben erst gar nicht auftreten lassen.
Auch das ist es, was wir unter "custom" verstehen. Denn was nützt das schönste Instrument, wenn es einen krank macht? Dass unsere Gitarren und Bässe deshalb nicht aussehen müssen wie orthopädische Hilfsmittel, könnt ihr in unseren Bildergalerien nachprüfen...